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Begriff und Definition: Kalendarium
 
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Kalendarium


Ein Kalendarium ist ein Objekt, das einen Kalender darstellt.

Als Kalendarium wird eine Zusammenstellung oder Darstellung von Kalenderdaten bezeichnet, um einen zeitlichen Überblick zu gewährleisten:

als schriftliches Kalenderwerk über einen mehr oder minder langen Zeitraum: der Kalender im allgemeinsprachlichen Sinne, als Notizbuch, Abreissblock oder an der Wand, oder in elektronischer Form

als Terminkalender, um Zusatzinformation oder Notizen aufzunehmen, z. B. zu einem bestimmten Thema wie Veranstaltungshinweisen, die Arbeitsabläufe in einer Firma, zur Organisation zu erledigender Aufgaben (Todos)

als Agenda (lat. agendum „das zu Treibende“) als Gedächtnisstütze (Merkbuch): Tagebuch, Tagesordnung, Aktionsprogramm)

als Chronologie zu einer bestimmten historischen Periode oder einer historischen Entwicklung



Inhaltsverzeichnis


1 Etymologie
2 Kalendarien im Gebrauch
2.1 Gedruckte Kalender
2.2 Elektronische Kalendarien
2.3 Heiligenkalendarium
3 Geschichte
3.1 Kalender und Volksaufklärung
3.2 Volkskalender



Etymologie


Der Begriff Kalendarium stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutete im alten Rom Schuldenverzeichnis, da an den Kalenden, dem ersten Tag eines jeden Monats, die Schulden zu bezahlen waren. Später wurde daraus schlicht der Kalender, den die Römer übrigens festis nannten.

Im Lauf der Zeit hat sich die Bedeutung des Wortes Kalendarium gewandelt, heute umfasst er ziemlich alle Aspekte des Kalenderwesens.

Insbesondere wird er benutzt, um einen physischen Kalender aufgeschrieben, gedruckt, in elektronischer Form oder von Uhren angezeigt) vom ideellen Kalender (den Rechenvorschriften der Kalenderrechnung) abzugrenzen.



Kalendarien im Gebrauch


Gedruckte Kalender

Gedruckte Kalender werden meist für ein Kalenderjahr hergestellt. Dabei umfasst ein Blatt – entsprechend den Regeln des üblichen Kalendersystems das ganze Jahr mit nach Spalten oder Blöcken geordneten Monaten, einen Monat oder eine Woche oder entsprechendes, oder ein Blatt pro Tag.

Die gebräuchlichen Formen von Kalenders sind nach dem Format bezeichnet Wandkalender, Taschenkalender oder nach der Bindung Einblattkalender, Kalenderblock (Abreißblock) oder Kalenderheft (Notizbuch).

Kalender dienen dabei einfach der Übersicht, als Dekoration, oder als Memorandum (Merkheft) – Terminkalender, Veranstaltungskalender, Astronomischer Kalender (Ephemeriden) – oder als Memoire (Tagebuch).

Wandkalender gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen, z. B. Abreißkalender, Bildkalender, speziell als Kunstkalender, oder Dispositionskalender etwa als Magnettafel.

Der klassische Abreißkalender sieht für jeden Tag des Jahres ein Blatt vor, auf dessen Rückseite oft astronomische Daten und/oder Sinnsprüche, Kochrezepte zu finden sind, als historische Form auch Kalendergeschichten

Bildkalender zeigen oft Landschaften, aber können auch vielen anderen Themen gewidmet sein. Häufig zeigen sie, wie die meisten Kunstkalender, einen Monat pro Blatt. Thematische Wandkalender, die oft Text und Bild mischen (z. B. Literaturkalender), haben oft auch eine wöchentliche Blattfolge.

Eine weitere Kategorie sind Notizkalender in unterschiedlichen Formaten, als Taschenkalender oder Kalenderheft, in kleinen Formaten (etwa Scheckkartenformat), die man ständig mit sich führen kann. Hier kann man wieder unterscheiden in reine Notizkalender, die neben einem gedruckten Kalendarium im Anhang lediglich wichtige Daten (z. B. Postgebühren oder Telefonvorwahlen usw.) enthalten und thematischen Kalendern, die daneben – zwischen den Kalenderblättern und/oder nach dem Kalendarium – Beträge zu einem bestimmten Thema enthalten (z. B. Frauenkalender, Aussaatkalender usw.).

Kalenderhefte in Form periodischer Publikationen: die bekannteste Form ist der sogenannte Quartschreibkalender, mit seit etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart vergleichsweise festem Erscheinungsbild.

Berufsbezogene Kalender enthalten neben dem Kalendarium berufsbezogene Beiträge und Hilfsmittel (z.B. Lehrerkalender mit Notenlisten).

Kalender sind ein beliebtes Werbegeschenk, das Firmen ihren Kunden zum Jahreswechsel überreichen.


Elektronische Kalendarien

Ein Computer eignet sich exzellent, Kalendarien zu berechnen und übersichtlich darzustellen, wie auch auf Änderungen schnell zu reagieren und die kalendarischen Zusatzdaten zu verarbeiten oder auszuführen. Daher haben sich Kalendarien in der Datenverarbeitung sehr schnell verbreitet:

Allgemeine Kalenderprogramme sind in vielfältigster Weise in Betriebssytem und als Einzelanwendung verfügbar

Merkzettel-Programme errinern menschliche Benutzer an zu Erledigendes (Todos)

Taskplaner erledigen in einem Kalendarium eingetragene Servicearbeit eines Computersystems

Zeitabhängige Zugangsberechtigungen auf elektronische Recourcen, etwa für DHCP-Leases oder Zugriffsrechte

Astronomische Ephemeriden sind in die meisten astronomischen Programme grundlegend integriert

Spezialisierte Programme gibt es für Problemstellungen der Zeitablaufsteuerung (Scheduling) in Wirtschaft und Informatik


Heiligenkalendarium

In der katholischen Kirche wird er insbesondere für die Zuordnung von Heiligen zu den Tagen des Jahres verwendet (auch Heiligenkalender genannt).

Eine besondere Form von Kalender ist der Cisiojanus, ein Merkgedicht, das bei der Datierung der unbeweglichen Heiligen- und Feiertage der römisch-katholischen Kirche hilft. Er verbreitete sich seit dem Ende des Hochmittelalters und stand bis in die Frühe Neuzeit im Gebrauch.



Geschichte


Historische Jahreskalender beschränkten sich kaum je auf die reine Darstellung des Jahresverlaufes, sondern informierten auch über jahreszeitabhängige Tätigkeiten, landwirtschaftliche Aufgaben oder im Jahresverlauf zu erwartende Wetterlagen und werden daher auch Bauernkalender genannt. Schon früh gehört das sogenannte Aderlassmännlein zu den bis ins 19. Jahrhundert unverzichtbaren Bestandteilen des Kalenders. So weist etwa das Calendarium Romanum aus dem Kloster Interlaken (Johanna von Arberg und Agnese Stollera, 1446) bereits mit der Aderlassfigur nach, welche Sternzeichen die einzelnen Körpergegenden regieren und sich daher für bestimmte Leiden und zu bestimmten Sternkonstellation für den Aderlass eignen. Weiterhin wurden die besten Tage für das Haareschneiden, Baden, Schröpfen, Abstillen etc. angegeben.

Solche Angaben finden sich durchgängig bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts (etwa in Hundertjährigen Kalender), als im Zug der Volksaufklärung versucht wurde, den Aberglauben aus dem Kalender zu verbannen (zum Beispiel durch die preußische Kalenderreform 1778/79). Als diese Reformbemühungen scheiterten, kehrte die Aderlassfigur, oder zumindest eine Aderlasstafel, wieder in den Kalender ein (so noch im "Neuen Berner-Kalender" unter der Redaktion von Jeremias Gotthelf, 1840–1845). Zeitgenössische astrologische Mondkalender greifen diese Richtung wieder auf.


Kalender und Volksaufklärung

Schon in der frühen gemeinnützigen Aufklärung, die seit den 1760er Jahren in eine breite Volksaufklärung mündet, gab es Bemühungen, das Medium des Kalenders zur praktischen und ökonomischen, später vor allem erbaulichen und moralischen Belehrung der Bevölkerung zu nutzen. Wie kaum ein anderer Lesestoff gelangte der Kalender in die breitesten Schichten der Bevölkerung. Vor einer flächendeckenden Verbreitung von Tageszeitungen war er zudem das wichtigste Informationsmedium.

Die Kalenderreformer des 18. Jahrhunderts wollten nun zum ökonomischen Nutzen des Lesers wie des Vaterlandes land- und hauswirtschaftliche Informationen, medizinische und veterinärmedizinische Ratschläge neben erbaulichen Geschichten in den Kalender einrücken. Der alte Aberglauben sollte ebenso verbannt werden wie die häufig vertretenen Erzählungen bloß merkwürdiger oder spektakulärer Begebenheiten, die für den Leser keinen unmittelbaren Nutzen haben konnten. Mit gesetzlichen Regelungen versuchte man Reformkalender auf einem Markt durchzusetzen, der durch Lesegewohnheiten und gut eingeführte populäre Kalender geprägt war. Die teils radikalen Versuche scheiterten häufig bereits in den Anfängen: die Leser kauften lieber keinen Kalender als den von Gelehrten und Staatsbeamten kreierten Nachfolger ihres Traditionsheftes.


Volkskalender

Aus dem Scheitern der ersten Reformbemühungen entwickelte sich eine Volksbildungsbewegung, die nun sehr viel stärker die Leseinteressen der Kalenderleser berücksichtigten und teils lieber das Aderlassmännlein beibehielten, um so für die belehrenden Erzählungen (Kalendergeschichte) eine aufnahmebereite Leserschaft zu finden. Das Vorbild dieser Volkskalender war der Rheinische Hausfreund von Johann Peter Hebel; ihm folgten bekannte Autoren wie Berthold Auerbach, Jeremias Gotthelf, Alban Stolz und zahlreiche Kalendermacher des 19. Jahrhunderts. Neben der Tageszeitung behielt der Kalender auch in manchen Regionen bis ins 20. Jahrhundert eine zentrale Stellung unter den Volkslesestoffen.
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