Tiefdruckverfahren
Tiefdruck ist ein Sammelbegriff für Druckverfahren, bei denen linien-, punkt- oder flächenartige Vertiefungen auf einer blanken Metallfläche mit Druckfarbe gefüllt und ein aufgepresstes, in die Vertiefungen gezwungenes Papier diese Druckfarbe aufnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Tiefdruck in der Kunst
1.1 Merkmale der Tiefdrucktechnik
1.2 Die grafischen Verfahren des Tiefdrucks
1.3 Der Kupferstich als Vorbild des Tiefdrucks
2 Tiefdruck für großvolumige Druckauflagen
3 Literatur
Der Tiefdruck in der Kunst
Als künstlerisches Medium erlaubt der Tiefdruck dem Künstler große Souveränität, in dem sich sein Einfallsreichtum ungehindert verwirklichen kann. Insbesondere die Radierung ist seit Rembrandt immer wieder ein bevorzugtes Arbeitsgebiet bildender Künstler gewesen.
Merkmale der Tiefdrucktechnik
Alle Grafiken, die mittels einer der Tiefdrucktechnik erstellt sind, haben als Erkennungszeichen einen durch den Druck in das feuchte Papier entstandenen Plattenrand (Facette), der sich in das Papier einprägt und auch auf der Rückseite des bedruckten Papiers eine Erhöhung bewirkt. Ein weiteres Merkmal ist, dass die verschiedenen Abzüge einer Platte geringe Maßdifferenzen aufweisen: Die fertigen Drucke sind feucht und müssen getrocknet werden, der Bogen zieht sich dabei zusammen. Je nach Qualität kann die ungleichmäßig verlaufende Schrumpfung zwischen 1 bis 2 Prozent liegen.
Die grafischen Verfahren des Tiefdrucks
Innerhalb der Grafik werden nach Koschatzky zwei große Gruppen unterschieden:
Die manuellen Stichverfahren: der Kupferstich, die Schabtechnik und die Kaltnadelradierung
die Ätzverfahren: die Radierung und die Aquatinta
Der Kupferstich als Vorbild des Tiefdrucks
Das Vorbild des Tiefdrucks ist der Kupferstich. Die druckenden Teile sind vertieft.
In den Kupferzylinder wird das Druckbild mit einem Stichel, einer Nadel, einem Laser oder einem Roulette geprägt. Diese Vertiefungen heißen Näpfchen. Sie sind unterschiedlich tief, dadurch kann unterschiedlich viel Farbe aufgenommen werden. Je größer die Näpfchen, desto mehr Farbe wird angenommen. Der Kupferzylinder rollt durch die dünnflüssige Druckfarbe und ein Rakelmesser streicht die überschüssige Farbe ab. Das Rakelmesser ist ein dünnes Stahllineal.
Tiefdruck für großvolumige Druckauflagen
Das Tiefdruckverfahren wird heute für großvolumige Druckaufträge ab 100000 Exemplaren verwendet. Damit werden Wochenzeitschriften, wie z.B. Stern oder Spiegel, TV-Zeitschriften oder auch Kataloge (Otto, Quelle, IKEA,...) hergestellt. Ein anderes großes Marktsegment ist der Verpackungsdruck (z.B. Tetra-Pack oder Folien). Desweiteren gibt es den Dekordruck, Textildruck und Wertpapierdruck.
Bis 1962 wurden die Druckformen durch einen Ätzprozess hergestellt. 1962 stellte Dr. Hell auf der drupa den ersten HelioKlischographen, den K190 vor. Diese Maschine revolutionierte die Druckformherstellung, denn erstmalig konnte eine Form mit einer genau definierten Qualität hergestellt werden und das ohne einen chemischen Prozess. Wenige Jahre später wurde eine Weiterentwicklung, der K193 vorgestellt. Diese Maschine arbeitete mit bis zu acht Graviersystemen bei einer Gravurfrequenz von 4000 Hz (also 4000 Näpfchen pro Sekunde). Die modernste derzeit verfügbare Graviermaschine ist der K6 der Fa. Hell Gravure. Hier arbeiten bis zu 18 HelioSprint-Graviersysteme mit einer Gravurfrequenz von 7500 Hz in einem vollkommen automatischen Prozess. Damit lässt sich eine Tiefdruckform für 108 DIN A4 Seiten in weniger als einer halben Stunde erzeugen.
Literatur
Walter Koschatzky; Die Kunst der Graphik, München 1977
Lothar Lang; Der Graphiksammler, Berlin 1979
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